Speyrer-Bote-Februar-2025

Speyerer Bote Heft-Nr. 150 38. Jahrgang Februar 2024 www.bsv-speyer.de „Der letzte Griff zum Automaten“ Am Abend des 31. Dezember 2024 schloss sich ein Kapitel deutscher Postgeschichte. Die wenigen verbliebenen Briefmarkenautomaten, die Jahrzehnte lang treue Begleiter im Alltag waren, spuckten ein letztes Mal ihre charakteristischen Marken aus. Ein älterer Herr, der zufällig die letzte Marke seiner Postfiliale zog, hielt sie nachdenklich in der Hand. „Wie oft hat mich dieser Automat gerettet, wenn ich kurz vor Ladenschluss noch einen Brief frankieren musste“, sagte er lächelnd. „Jetzt muss ich mich wohl auch an die neuen Zeiten gewöhnen.“ Die Automaten, einst Symbole von Innovation und Effizienz, wurden Opfer moderner Technologien und veränderter Kundenbedürfnisse. Während der Jahreswechsel naht, fragen sich viele Sammler und Liebhaber: Wird diese Ära tatsächlich in Vergessenheit geraten oder bleibt sie ein Schatz in der Erinnerung all jener, die mit den kleinen Marken durch die Welt gereist sind? Mit der Abschaltung der Automaten endet nicht nur ein technisches System, sondern auch ein Stück emotionaler Verbindung zur Postgeschichte – ein Abschied, der Nostalgie in die Herzen vieler bringt.

2 Themenübersicht Eine Ära ging zuende .............................................. Seite 3 4 Übergang der Bayerischen Post auf die Deutsche Reichspost am 1. April 1920.................... Seite 5 7 Was eine Postkarte von früher so alles berichten kann…............................................. Seite 8 11 Hildegard von Bingen in der Philatelie: Eine Ehrung der Universalgelehrten....................... Seite 12 15 Die Entstehungsgeschichte des Landpoststempels: Ein umfassender Überblick..... Seite 16 19 Impressum Vereinsnachrichten des Briefmarkensammlerverein e. V. Speyer Herausgeber Anschrift Redaktion BSV Speyer e. V., Markus Steuerwald, Van Leyden Str. 19, 67061 Ludwigshafen Anzeigenverwaltung Harald Janssen, Riedburgstr. 3, 67360 Lingenfeld Werde Teil unseres Redaktionsteams – Deine Stimme zählt! Du hast spannende Ideen, Fachwissen oder eine besondere Perspektive zu teilen? Dann bist du genau die Person, die wir suchen! Wir laden dich herzlich ein, Artikel für unsere Plattform zu schreiben. Ob Tipps, Erfahrungen oder interessante Geschichten – dein Beitrag bereichert unsere Gemeinschaft und inspiriert andere. Warum solltest du mitschreiben? Teile dein Wissen: Werde zur wertvollen Quelle für andere. Erreiche ein breites Publikum: Deine Artikel werden von vielen gelesen. Werde sichtbar: Präsentiere dich als Experte oder einfach als leidenschaftlicher Autor. Egal ob du schon Erfahrung im Schreiben hast oder es einfach mal ausprobieren möchtest – wir freuen uns über jeden Beitrag. Gemeinsam schaffen wir eine lebendige, vielfältige Plattform. Mach mit und werde Autor!

3 Eine Ära ging zuende Die Automatenmarkenwurden 1981 in Deutschland von der Deutschen Bundespost eingeführt. Das Postwertzeichen amtliche Bezeichnung Automaten Postwertzeichen wird über einen Briefmarkenautomat verkauft. Der Werteindruck erfolgt auf einem BriefmarkenBlankovordruck erst beim Verkauf an den Postkunden. Die dafür notwendigen Briefmarkenautomaten wurden Anfang der 2020er Jahre sukzesive abgebaut und spätestens am 31. Dezember 2024komplett vom Netz genommen und wurden abgebaut. Als alternative stehen, bisher noch vereinzelt Poststationen zur Verfügung. Die fortschreitende Entwicklung der Drucker und Computertechnik hat heute zu einer völligen Verdrängung der Automatenmarken am Schalter geführt. Gleichzeitig könnte auch die Privatisierung der Bundespost und die Verringerung der Postfilialen verantwortlich für Rückgang von Schalterautomaten sein, da diese nur dafür genutzt werden könnten. Soweit die Briefe direkt am Schalter aufgegeben und bezahlt wird, kommt es heute wieder zu einer Freimachung mit Postwertzeichen bzw. einer Art Stampit sowie bei besonderen Versnadformen wie ezwas Einschreiben zu einem Aufdruck des (ergänzend) bezahlten Endgeltes auf den Aufkleber, der auch die Daten der besonderen Versandform beinhaltet. Die letzte Marken konnten am 31. Dezember 2024 gekauft werden. Da zum 1. Januar 2025 das Porto gestiegen ist und ein notweniges Softwarupdate mit neuen Postwertzeichen nicht aufgespielt wurde, wurden alle restlichen Automaten außer betrieb genommen. Vorhandene Automatenmarken mit Euro Währung können weiterhin genutzt werden.

4 Die ersten Automatenmarken Deutschlands Posthorn und Schriftzug "DEUTSCHE BUNDESPOST", Wertstufen: 5 –9995 (Pfennig) Verkaufszeitraum: 2. Januar 1981 bis 31. März 1994 Schloss Sanssouci Schriftzug "DEUTSCHE BUNDESPOST" Wertstufen: 5 –9995 (Pfennig) Verkaufszeitraum: 19. Mai 1993 bis 26. April 1999 Postembleme (drei Posthörner) Schriftzug "DEUTSCHLAND" Wertstufen: 5 –9995 (Pfennig) Verkaufszeitraum: 22. Oktober 1999/ 23. Mai 2001 bis 31. Dezember 2001 gleiche Ausgabe ab 1. Januar 2002 bis 4. April 2002 in Euro Wertstufen 0,01–36,81 € Briefkasten Schriftzug "DEUTSCHLAND" Wertstufen: 0,01– 36,81 € Verkaufszeitraum: 14. April 2002 bis 2008

5 Übergang der Bayerischen Post auf die Deutsche Reichspost am 1. April 1920 Nach Abdankung Kaiser Wilhelms II. wurde im November 1918 in Berlin die Republik ausgerufen. Wegen der unruhigen Lage in Berlin tagte die verfassungsgebende Versammlung in Weimar. Am 11. August 1919 trat die Weimarer Verfassung in Kraft, in deren Artikel 88 zu lesen war: „Die Postwertzeichen sind für das ganze Reich gleich“. Für den bayerischen PostSonderstatus zeichnete sich damit das Ende ab. Der Übergang auf die Deutsche Reichspost sollte am 1. April 1921 erfolgen. Überraschenderweise wurde der Termin um ein Jahr auf den 1. April 1920 vorverlegt. Das bedeutete für Bayern, dass für eine schon lange geplante Markenausgabe, sollte sie noch vor dem 1. April 1920 erscheinen, größte Eile geboten war. So kamen am 14. Februar die ersten Marken der sogenannten Abschiedsausgabe (Mi Nr. 178 195) an die Schalter, am 30. März die beiden letzten Werte zu je 2 ½ Mark. Schon ab April wurden die Neuauflagen der Abschiedsausgabe mit dem Aufdruck „Deutsches Reich“ versehen. Ab 1. April 1920 galten sämtliche Ausgaben des Deutschen Reiches auch in Bayern. Das bayerische PostReservatrecht hatte aufgehört zu existieren, das Deutsche Reich war postalisch eine Einheit. 1. April 1920: Ortsbrief „Kaiserslautern“ vom Ersttag der ReichspostHoheit in der bayerischen Pfalz, mit dreimal 5 Pfg. „Ludwig“ (MiNr. 95) als Nachverwendung richtig frankiert. Geschrieben wurde der Brief in Eselsfürth. Friedel Lang

6 9. April 1920: Bayerische Postkarte P114I, jetzt unter der ReichspostHoheit. Die bayerische Abschiedsausgabe wurde jedoch nicht schlagartig ungültig, sondern ihr wurde noch eine Verwendungsdauer von drei Monaten bis zum 30. Juni 1920 gewährt. Das galt auch für die übrigen damals gültigen bayerischen Briefmarken „Ludwig“ (MiNr. 94115), „Ludwig/Volksstaat“ (MiNr. 116135) und „Ludwig/ Freistaat“ (MiNr. 152 176). Weiter verwendet konnten auch die sog. Aufbrauchausgaben, das sind die 3 Pfg. (MiNr. 60), die 5 Pfg. (MiNr. 61 und 75) und die 10 Pfg. (Mi Nr. 56) der bayerischen Wappenausgaben, die seit 28. Januar 1920 wieder gültig waren. Auch die Aufdruckmarke 20 auf 3 Pfg. braun (MiNr. 177) durfte bis zum 30. Juni 1920 verwendet werden. Für die bayerischen Ganzsachen galt die Übergangszeit nur bis 31. Mai 1920, einen Monat kürzer als für die Marken. Doch sie konnten bis zum 31. Oktober 1921 gegen Reichspostwertzeichen eingetauscht werden. Bayerische Marken hatten wir also nur bis zum 31. März 1920, ab 1. April 1920 waren die bayerischen Marken „Reichspostmarken“. Schon am 6. Mai 1920 wurden die Postgebühren infolge der hohen Belastungen durch den verlorenen 1. Weltkrieg kräftig erhöht. Die Ermäßigungen im Ortsverkehr entfielen. Postkarten kosteten jetzt 30 Pfg. statt 15 Pfg., einfache Briefe 40 Pfg. statt 20 Pfg., die Einschreibegebühr 50 Pfg. statt 30 Pfg. usw.

7 6. Mai 1920: Vom Ersttag der Portoerhöhung, einfacher Fernbrief von Pirmasens an das Bürgermeisteramt in Heidelberg (Handschuhsheim wurde gestrichen) aus der ReichspostHoheit, mit reiner LudwigNachverwendung MiNr. 96 (4 x 10 Pfg.) richtig frankiert. Der Brief im Fernverkehr kostete jetzt 40 Pfg. 18. Mai 1920: Mit 5 Pfg. Abschiedsausgabe (MiNr. 178) und 10 Pfg. Aufbrauchausgabe (MiNr. 56) auf 30 Pfg. auffrankierte bayerische Postkarte P114 unter Reichsposthoheit mit Stempel Neustadt.. 10. Juni 1920: Kaiserslauterer Ortsbrief aus der Übergangszeit, mit 40 Pfg. ReichspostMarken (Germania) richtig frankiert Ortbriefe und einfache Fernbriefe kosteten das gleiche = 40 Pfennig 12. Juni 1920: EinschreibeBrief von Lauterecken nach Kaiserslautern, mit 90 Pfg. Mischfrankatur überdruckter bayerischer Abschiedsausgabe und ReichspostMarken (Germania) richtig frankiert = Fernbrief 40 Pfg. + Einschreiben 50 Pfg.

8 Was eine Postkarte von früher so alles berichten kann… Bernd Lohrbächer Die Zeit „zwischen den Jahren“ war wieder einmal eine mehr als gute Gelegenheit, in den mannigfaltigen Unterlagen meiner umfangreichen philatelistischen Sammlung zu kramen. Dabei fiel mir eine Postkarte vom Fußball Länderspiel Deutschland – Norwegen vom 16. November 1955 in die Hände. Schon als ich sie zum ersten Mal sah, fiel mir die sehr schöne Frankatur mit den vier Briefmarken in einer äußerst gelungenen Komposition auf. In der Tat: Sie ist ein echter „Hingucker“! Neudeutsch würde man dazu auch „Eyecatcher“ sagen. Das Besondere daran: Die Postkarte war an meine Mutter, die damals noch unverheiratet und mit Mädchenname Dehling („Frl. Gertrud Dehling“) hieß, geschickt worden. Sie wohnte damals mit ihren Eltern resp. meinen Großeltern und ihrem fünf Jahre älteren Bruder in der Schillerstraße 13 in Heiligenstein. 1950 hatten sie dort mit viel Fleiß und voller Stolz und Entbehrungen ein neues Haus gebaut. Meine Mutter interessierte sich zeitlebens nie für Fußball. Also hatte es mit der Karte offenbar eine ganz andere Bewandtnis. Und richtig: als Text steht auf der Rückseite in knappen Worten und in TintenSchönschrift: „Grüße vom Länderspiel sendet Dir Gust.“ Offenbar war Gust, der wahrscheinlich mit Vornamen August hieß,

9 ein glühender Fußballfan, der voller Stolz an einem Mittwoch Grüße aus dem Karlsruher Wildparkstadion schickte. Meine Mutter war damals gerade 19 Jahre alt und – wenn ich mir s/w Fotos von damals ansehe ein wirklich flotter „Feger“. Wer käme heute noch auf die Idee, von einem Fußballländerspiel eine Postkarte an eine junge Frau zu schicken? Damals bedeutete es dem männlichen Absender wohl offenbar sehr viel… Auf einmal gingen mir viele Fragen durch den Kopf. Ich wollte mehr wissen von diesem sportlichen Ereignis, das – so wurde es mir auf einmal klar – vor genau 70 Jahren (!) stattfand. Mein Entdeckergeist wurde wieder wach und ich begann zu recherchieren. Was ich herausfand, begeisterte mich – auch in gewisser Weise als Anhänger des 1. FC Kaiserslautern. Doch der Reihe nach. Seit 1908 (5. April) gab es offizielle Länderspiele der Deutschen Fußballnationalmannschaft. Erster Gegner war damals die Schweiz, gegen die es in Basel eine 3:5 Niederlage setzte. Der Schiedsrichter der damaligen Partie war ein gewisser Herbert Patrik Devitte. Das Länderspiel am 16. November 1955 gegen Norwegen in Karlsruhe war immerhin schon das 232. Nach dem Gewinn der ersten Fußballweltmeisterschaft für Deutschland 1954 im Berner Wankdorfstadion, das bekanntermaßen mit einem 3:2 Sieg über den haushohen Favoriten Ungarn als das „Wunder von Bern“ in die Geschichte einging, war das Spiel in Karlsruhe die neunte Partie nach dem großen Triumpf. Nationaltrainer Sepp Herberger hatte eine auf verschiedenen Positionen neue Formation auf den Platz geschickt. Das „Herzstück“ der elf Freunde bildete aber noch immer die drei Weltmeister aus Kaiserslautern, allen voran Spielführer Fritz Walter, Werner Liebrich und Horst Eckel. Deutschland gewann – wie wohl nicht anders erwartet – 2:0 gegen die beherzt kämpfenden Norweger im mit 50.000 Zuschauern ausverkauften Wildpark. Die Tore fielen schon innerhalb der ersten halben Stunde. Fritz Walter zum 1:0 (24. Minute) und Josef Röhrig in der 27. Minute. Übrigens war das 1:0 von Fritz Walter sein 32. Tor im Nationaldress und er war damit neuer Rekordtorschütze. „Jede Briefmarke erzählt eine Geschichte – entdecke sie! Teile deine Leidenschaft und schreib einen Artikel über deine spannendsten Briefmarken. Inspiriere andere Sammler mit den Geschichten hinter deinen Schätzen!“

10 Die Aufstellung der Deutschen Fußballnationalmannschaft am 16. November 1955: Fritz Herkenrath Jupp Posipal Karl Schmidt Werner Liebrich Fritz Walter Horst Eckel Ulrich Biesinger, 80. Min. Gerhard Harpers Josef Röhrig Berti Kraus Erwin Waldner Reservespieler: Willi Schröder, 80. Min. Trainer: Sepp Herberger Übrigens: Schiedsrichter des Spiels war Fritz Seipelt (2. April 1915 6. Mai 1981) aus Österreich. Er nahm 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden an der Endrunde teil und leitete in den 50er und 60er Jahren zahlreiche Europapokalspiele. Bei der WM 1978 in Argentinien war er Leiter des Schiedsrichter Subkomitees.

11 Nach dem recht glanzvollen Sieg gegen die Norweger verlor die Deutsche Mannschaft das nächste Spiel gegen Italien in Rom mit 2:1 Toren. Bleiben am Ende noch zwei Bilanzen: 1. Die Bilanz gegen Norwegen: Insgesamt 22 Spiele, 15 Deutsche Siege, 5 Unentschieden und 2 Niederlagen. Höchste Siege: 7:1 am 22. Juni 1971 und 6:0 am 4. September 2009 (WM Qualifikation) Höchste Niederlage: 0:2 am 7. August 1936 (Olympia Viertelfinale) Letzte Niederlage: 0:1 am 11. Februar 2009 (Freundschaftsspiel) 2. Die Gesamtbilanz der deutschen Fußballnationalmannschaft (19082024): Länderspiele gesamt: 1.023 Gewonnen: 590 Unentschieden: 213 Verloren: 220 Tore: 2.298 : 1.203 Übrigens: die beiden nächsten Länderspiele im neuen Jahr 2025 sind „Philatelie: Eine Reise durch Länder und Zeiten. Lass uns an deiner Sammlung teilhaben – schreibe einen Artikel über besondere Marken oder ihre Geschichten. Entdecke gemeinsam mit anderen die Faszination der Philatelie!“ gegen die Italien – einer unserer „Angstgegner“. Da heißt es wieder: Daumen drücken!

12 Hildegard von Bingen in der Philatelie: Eine Ehrung der Universalgelehrten Hildegard von Bingen (1098–1179) ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Ihre Werke als Theologin, Komponistin, Naturforscherin und Mystikerin prägen bis heute die europäische Kulturgeschichte. Sie war eine der ersten Frauen, die ihre Visionen und ihr Wissen in einer Zeit patriarchaler Strukturen mit nachhaltigem Einfluss dokumentierten. Ihre Visionen, gesammelt in Werken wie „Scivias“, inspirierten nicht nur die Theologie, sondern auch Kunst und Wissenschaft. Auch in der Welt der Philatelie hat sie ihren Platz gefunden: Briefmarken mit ihrem Porträt und Symbolen ihres Schaffens ehren die „Prophetin des Rheinlands“ und halten ihre beeindruckende Lebensgeschichte lebendig. Ein Blick in die Geschichte von Hildegard von Bingen Hildegard wurde 1098 in Bermersheim vor der Höhe geboren. Schon in jungen Jahren trat sie in ein Kloster ein und wurde Schülerin von Jutta von Sponheim. Nach dem Tod ihrer Mentorin wurde sie zur Leiterin des Klosters Disibodenberg und später zur Gründerin eines neuen Klosters auf dem Rupertsberg bei Bingen. Ihre Visionen, die sie seit ihrer Kindheit hatte, dokumentierte sie in mehreren Werken, darunter das bekannte „Scivias“ („Wisse die Wege“). Dieses Buch enthält theologische Abhandlungen, Visionen und Illustrationen, die bis heute für ihre mystische Tiefe bewundert werden. Neben ihrer spirituellen Arbeit war Hildegard eine Pionierin in der Naturwissenschaft und Medizin. Ihr Werk „Physica“ beschäftigt sich mit Heilpflanzen, Steinen und Tieren, und ihr medizinisches Wissen wird auch heute noch erforscht. Hildegard war darüber hinaus eine begabte Komponistin, die ein umfangreiches musikalisches Werk hinterließ, das ihre Visionen und Glaubensüberzeugungen Markus Steuerwald

13 musikalisch umsetzte. Hildegard von Bingen auf Briefmarken Viele Länder haben Hildegard von Bingen auf ihren Briefmarken gewürdigt. Ihre Darstellungen reichen von kunstvollen Porträts bis hin zu Symbolen ihrer Visionen oder ihrem Wirken als Heilkundige. Besonders hervorzuheben sind: Deutschland: 1998, zum 900. Geburtstag Hildegards, gab die Deutsche Post eine Sondermarke heraus. Sie zeigt ein stilisiertes Porträt der Gelehrten, umrahmt von Elementen, die ihre Visionen symbolisieren. Diese Marke erfreut sich bei Sammlern großer Beliebtheit und ist ein Klassiker moderner deutscher Philatelie. Weitere deutsche Marken aus dem Umfeld des Mittelalters zeigen Szenen, die indirekt Hildegards Zeit illustrieren, etwa die Welt des Klosterlebens oder illuminierte Manuskripte. Vatikanstadt: Im Jahr 2012 wurde Hildegard von Bingen von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin erhoben. Anlässlich dieser Ehrung erschien eine Sondermarke mit einer Darstellung der Heiligen in einem illuminativen Stil, der an mittelalterliche Manuskripte erinnert. Die Marke betont ihre Rolle als Mystikerin und Kirchenlehrerin und ist Teil einer Serie, die bedeutende Kirchenlehrer der Geschichte ehrt. Diese Marke ist wegen ihrer hohen kunsthistorischen Qualität besonders bei thematischen Sammlern gefragt. Frankreich: Einige französische Marken, die Hildegard indirekt ehren, zeigen ihre Zeitgenossen oder allgemeine Szenen aus dem Mittelalter, in denen sie eine prägende Rolle spielte. Beispielsweise verweisen Darstellungen von Klosterlandschaften oder benediktinischen Mönchen auf Hildegards Umfeld und ihre enge Verbindung zur Benediktinertradition.

14 Internationale Ausgaben: Auch außerhalb Europas wurde Hildegard auf Briefmarken gewürdigt, insbesondere in Themenserien über bedeutende Frauenpersönlichkeiten oder religiöse Visionäre. Marken aus Australien oder den USA greifen oft universelle Themen wie Spiritualität, Wissenschaft und Musik auf, die mit Hildegard assoziiert werden können. Diese Marken sind oft in kleinen Auflagen erschienen und stellen seltene Sammlerstücke dar. Illustrative Darstellungen: Manche Briefmarken verzichten auf ein direktes Porträt und greifen stattdessen die Symbolik ihrer Visionen oder Werke auf. So sind Darstellungen von Heilpflanzen oder musikalischen Elementen auf Marken zu finden, die auf ihre „Physica“ oder ihre Kompositionen anspielen. Diese Marken sind besonders beliebt bei thematischen Sammlern, die sich mit spezifischen Aspekten ihres Wirkens befassen. Thematische Sammlungen Frauen in der Geschichte: Marken, die bedeutende Frauenpersönlichkeiten ehren, können mit Hildegard von Bingen ergänzt werden. Sie steht in einer Reihe mit Königinnen, Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen. Eine thematische Sammlung könnte Marken von Hildegard mit Marken von Marie Curie, Florence Nightingale oder Jeanne d’Arc kombinieren. Heilpflanzen und Naturkunde: Hildegards Werke über Naturkunde und Heilmittel, etwa in ihrem Buch „Physica“, inspirieren viele Markenmotive. Marken mit Abbildungen von Heilpflanzen oder mittelalterlichen Manuskripten können ihre Arbeit illustrieren. Besonders Marken, die Heilpflanzen wie Lavendel oder Schafgarbe darstellen, könnten Bezug zu Hildegards Schriften haben.

15 Kirchenlehrer und Mystiker: Als Kirchenlehrerin reiht sie sich in die Tradition der großen christlichen Denker ein. Marken mit Darstellungen von Augustinus, Thomas von Aquin oder Teresa von Ávila können thematisch verknüpft werden. Eine Erweiterung könnte auch die Integration von Marken umfassen, die Klosterlandschaften oder Szenen des mönchischen Lebens darstellen. Musik und Kunst: Hildegard war auch eine bedeutende Komponistin. Ihre musikalischen Werke, insbesondere der Zyklus „Symphonia armoniae celestium revelationum“, inspirieren zahlreiche Interpretationen. Marken, die mittelalterliche Musikinstrumente, Notenschrift oder Szenen des Gesangs zeigen, können diesen Aspekt ihres Lebens widerspiegeln. Briefmarken von Hildegard von Bingen sind aufgrund ihres historischen und kulturellen Wertes besonders begehrt. Die deutsche Sondermarke von 1998 ist eine beliebte Ergänzung in thematischen und historischen Sammlungen. Ihr Marktwert ist moderat und eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für fortgeschrittene Sammler. Limitierte Ausgaben aus anderen Ländern, wie die Marken der Vatikanstadt, sind oft schwerer zu finden und können einen höheren Sammlerwert haben. Darüber hinaus gibt es Sonderausgaben in Alben oder Serien, die Sammler durch ihre aufwändige Gestaltung und historische Einbettung ansprechen. Ein Beispiel sind FDCs (First Day Covers) mit Sonderstempeln, die oft zeitgleich mit den Briefmarken veröffentlicht werden und thematische Sammlungen abrunden. Hildegard von Bingen ist ein inspirierendes Motiv in der Philatelie. Ihre Darstellung auf Briefmarken zeigt nicht nur ihre zeitlose Relevanz, sondern macht auch die Vielfalt ihres Wirkens greifbar. Sammler, die sich mit Frauen in der Geschichte, mittelalterlicher Kunst oder der Verbindung von Religion und Wissenschaft befassen, finden in Hildegard eine faszinierende Persönlichkeit, die jede Sammlung bereichert. Besonders für Liebhaber von thematischen Sammlungen bietet sie unzählige Möglichkeiten, Geschichte, Kunst und Kultur miteinander zu verbinden. Die Symbolik ihrer Werke und die ästhetische Darstellung machen die philatelistische Beschäftigung mit Hildegard von Bingen zu einem lohnenden Erlebnis.

16 Die Entstehungsgeschichte des Landpoststempels: Ein umfassender Überblick Der Landpoststempel ist ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Postwesens, das sich über Jahrhunderte hinweg entwickelte. Er steht im Zentrum einer Epoche, in der die Post das Rückgrat der Kommunikation bildete und eine entscheidende Rolle in der Verbindung zwischen ländlichen und städtischen Regionen spielte. Die folgende ausführliche Darstellung beleuchtet die Entstehung, Entwicklung und den Einsatz des Landpoststempels in all seinen Facetten. Das frühe Postwesen und die Grundlagen für den Landpoststempel Die ersten organisierten Postsysteme entstanden in Europa im 15. und 16. Jahrhundert. Diese Dienste, die zunächst vor allem von Kaufleuten, Königen und Regierungen genutzt wurden, dienten dazu, Briefe, Dokumente und andere Mitteilungen über weite Strecken zu transportieren. Die ersten Postnetze waren jedoch fast ausschließlich auf Städte und bedeutende Handelszentren beschränkt. Ländliche Gebiete wurden lange Zeit kaum oder gar nicht von den frühen Postsystemen erfasst. Die schlechte Infrastruktur, geringe Bevölkerungsdichte und hohe Kosten machten es schwierig, Postdienste außerhalb der Städte anzubieten. Die Bewohner dieser Regionen mussten oft weite Strecken zurücklegen, um ihre Post in einem zentralen Postamt abzugeben oder abzuholen. Mit der zunehmenden Organisation des Postwesens begann man, Briefe und Pakete mit Stempeln zu versehen. Diese enthielten zunächst einfache Informationen wie das Datum der Aufgabe oder den Herkunftsort, um den Postverkehr zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen. In den Städten wurden Stempel bald standardisiert, während in ländlichen Gebieten diese Praxis noch lange nicht einheitlich war. Markus Steuerwald

17 Die Einführung der Landpost Im Zuge der Industrialisierung und des Bevölkerungswachstums im 19. Jahrhundert nahm der Bedarf an flächendeckender Kommunikation zu. Die Menschen auf dem Land waren zunehmend auf den Austausch von Briefen, Dokumenten und Waren angewiesen, um am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Um diesen Bedarf zu decken, führte Preußen 1867 die sogenannte Landpost ein. Dieses System ermöglichte die Zustellung und Abholung von Postsendungen in abgelegenen Gebieten, die bis dahin schlecht erschlossen waren. Andere europäische Länder folgten diesem Beispiel. Die Landpostdienste wurden von Landbriefträgern betrieben, die entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad, der Pferdekutsche oder später mit motorisierten Fahrzeugen ihre Runden durch die Dörfer und Gehöfte machten. Die Landbriefträger sammelten die Postsendungen ein und brachten sie zu einem zentralen Postamt, von wo aus sie weiterbefördert wurden. Die Entstehung des Landpoststempels Der Landpoststempel wurde eingeführt, um die Arbeit der Landbriefträger effizienter zu gestalten und den Postverkehr zu dokumentieren. Er diente dazu, festzuhalten, dass eine Sendung von einem bestimmten ländlichen Standort aus verschickt oder dort zugestellt wurde. Diese Stempel waren wichtig, um den reibungslosen Ablauf des Postwesens zu gewährleisten. Sie dokumentierten nicht nur die Herkunft und das Datum der Aufgabe einer Sendung, sondern ermöglichten auch eine genaue Nachverfolgung und Abrechnung. Die ersten Landpoststempel waren oft einfach gehalten. Sie trugen den Namen des zuständigen Postamtes, ergänzt durch den Zusatz „Land“ oder „Landpost“. Ein Beispiel könnte sein: „BerlinLandpost“. Mit der Zeit wurden die Stempel detaillierter und enthielten

18 zusätzliche Informationen wie das genaue Datum, die Uhrzeit und manchmal sogar den Namen der Zustellroute. Der technische und infrastrukturelle Einfluss Die Einführung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert revolutionierte das Postwesen. Die Eisenbahn ermöglichte eine schnelle Beförderung großer Mengen von Briefen und Paketen über weite Strecken. Allerdings blieb die Zustellung in die ländlichen Regionen weiterhin Aufgabe der Landpost. Die Verbindung von Eisenbahn und Landpost machte es notwendig, die Übergabeorte und zeiten genau zu dokumentieren. Hierfür wurden spezielle Landpoststempel entwickelt, die die Verbindung zwischen den zentralen Eisenbahnknotenpunkten und den ländlichen Zustellgebieten widerspiegelten. Die Stempeltechnologie entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter. Während die frühen Stempel oft von Hand bedient wurden, kamen später mechanische Stempelgeräte zum Einsatz, die eine präzisere und schnellere Kennzeichnung ermöglichten. Diese Fortschritte waren insbesondere für die Landpost wichtig, da sie die Arbeit der Landbriefträger erheblich erleichterten. Der Landpoststempel im 20. Jahrhundert Während der beiden Weltkriege spielte die Landpost eine zentrale Rolle, um die Kommunikation zwischen der Front, den Städten und den ländlichen Regionen aufrechtzuerhalten. Landpoststempel dokumentierten in dieser Zeit häufig den Transport von Feldpost oder die Versorgung entlegener Gebiete. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg das Interesse an der Philatelie, der Briefmarkensammlung. Landpoststempel wurden zu begehrten Sammelobjekten, da sie oft selten und einzigartig waren. Sammler schätzten besonders die detaillierten und teilweise handgefertigten Stempel, die interessante Geschichten über die Herkunft und den Weg eines Briefes erzählen konnten. Der Niedergang und das Vermächtnis des Landpoststempels Mit dem Ausbau moderner Kommunikationsmittel wie Telefon, Fax

19 und später dem Internet verlor die Landpost ab der Mitte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung.Viele ländliche Postämter wurden geschlossen oder in größere Einheiten integriert. Auch die Landbriefträger wurden zunehmend durch zentralisierte Zustelldienste ersetzt. Landpoststempel als Zeitzeugen Obwohl der Landpoststempel im modernen Postwesen keine praktische Rolle mehr spielt, ist er heute ein wertvolles historisches Dokument. Er zeugt von einer Zeit, in der die Post eine zentrale Rolle im Alltag der Menschen spielte und selbst die entlegensten Orte miteinander verband. Die Geschichte des Landpoststempels ist untrennbar mit der Entwicklung des Postwesens und der gesellschaftlichen Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden. Vom einfachen Werkzeug zur Dokumentation des Postverkehrs entwickelte er sich zu einem Symbol für die Verbindung zwischen Stadt und Land. Heute ist der Landpoststempel ein faszinierendes Sammelobjekt und ein wertvolles Zeugnis einer vergangenen Epoche.

Nach einem erfolgreichen Auktionsjahr 2024 beginnt das Auktionshaus Christoph Gärtner das neue Jahr wieder mit einer aufregenden Auktion am 17. - 21. Februar. Es erwarten Sie unter anderem eine wichtige Sammlung Rhodesien „Double Heads“ gebraucht und ungebraucht, eine Schweiz Spezialsammlung der Portofreiheitsmarken von 1870/71 (Rot-Kreuz) und weitere Highlights wie ●Interessante Objekte aus dem Hause Fabergé wie z.B. ein Zigarrenetui ●Ein 159g-Goldbarren als WIPA Block im Briefmarken-Teil unter Österreich ●Goldmedaille zum 90. Geburtstag von Graf Zeppelin, 1928 ●Thailand R-Brief mit spektakulärer Mehrfachfrankatur, 1895 ●Zwei österreichische Merkure in den Farbnuancen Braunorange und Dunkelrosa ● Fünffarbfrankatur des 1. Drucks, 1874 Prinz Nikola-Ausgabe von Montenegro ● Kompletter postf rischer Bogender „100 Jahre Deutsche Briefmarke“ in dem sich 96 Württemberg- und 4 Rheinland-Pfalz-Marken befinden Weitere Highlights finden Sie in unseren Katalogen. Das CG Team freut sich darauf, Sie zur 61. Auktion willkommen zu heißen. 61. AUKTION 17. - 21. Februar 2025 CHRISTOPH GÄRTNER AUKTIONEN 3. bis 21. Februar 2025 Bitte vereinbaren Sie einen Termin! Tel. 07142-789 400 info@auktionen-gaertner.de BESICHTIGUNGEN GEDRUCKTE KATALOGE: Auf Anfrage, solange der Vorrat reicht! ONLINE KATALOGE: www.auktionen-gaertner.de PDF-DOWNLOAD: www.cg-collectors-world.com KATALOGE Auktionshaus Christoph Gärtner GmbH & Co. KG Steinbeisstr. 6+8 | 74321 Bietigheim-Bissingen | Tel. +49-(0)7142-789400 | Fax +49-(0)7142-789410 info@auktionen-gaertner.de|www.auktionen-gaertner.de | www.cg-collectors-world.com www.auktionen-gaertner.de | www.cg-collectors-world.com

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